Jede/r der sich heute ein neues Handy mit eigner SIM-Karte zulegt, zahlt dafür
meistens nicht nur eine Menge Geld, sondern muss zudem wesentliche
Informationen über ihre/seine Identität preisgeben:
„Wer Telekommunikationsdienste für die Öffentlichkeit erbringt, hat die (...) erhobenen Daten unverzüglich in Kundendateien zu speichern, (...). Der Verpflichtete hat zu gewährleisten, dass die Bundesnetzagentur für Auskunftsersuchen (...) jederzeit Daten aus den Kundendateien automatisiert im Inland abrufen kann, (...)“ - § 112 Automatisiertes Auskunftsverfahren, Telekommunikationsgesetz (TKG)
Und das Gesetzt findet seine Anwendung – mehr als die
meisten Käufer/innen wahrscheinlich vermuten würden: Weit über drei Millionen Mal
im Jahr greifen Verfassungsschützer, Zollämtern, Finanzbehörden und andere
Dienststellen auf die Kundendaten der Telefon-Unternehmen zurück. (Quelle: die Zeit).
Wer der Überwachung entkommen will kann nun über eine
neue Handykartentauschbörse anonym telefonieren. Der Arbeitskreis
Vorratsdatenspeicherung, ein Zusammenschluss aus Bürgerrechtlern,
Datenschützern und Internetnutzern hat das Portal gegründet, über das es
Handynutzern ermöglicht werden soll, Handykartenkarten zu tauschen um so über
eine Art „geliehene Identität“ zu telefonieren. Alles was die Tauschwilligen
dafür tun müssen, ist sich eine handelsübliche Prepaid Handykarte zu besorgen,
diese an den Arbeitskreis zu schicken um dann wenige Tage später ein
Tauschmodell zu erhalten. Persönliche Daten über den/die originalen
Besitzers/in erhält man selbstverständlich nicht. Dafür kann man auf Anfrage
jedoch eine Bescheinigung anfordern, die bezeugt, dass die Karte getauscht
wurde. Diese Art des Kartentauschs ist völlig legal und ist eine gute Möglichkeit,
seine Identität zu schützen.
Auch wenn die Idee dem Verbraucherschutz entstammt, weist das System
Lücken auf, denn sollte die getauschte Karte einer Person angehören, die unter
Ermittlungen der Polizei steht, können die Gespräche dennoch abhört werden.
Auch wenn man im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung von einem minimalen
Risiko ausgeht, da Kriminelle sich nicht an ein solches Projekt beteiligen
würden, weil diese sich fremde SIM Karten über andere Wege besorgen würden,
(Quelle: die
Zeit), ist die Missbrauch Gefahr nicht von der Hand zu weisen.
Zudem kann auf Grundlage des Gesetz
zur Vorratsdatenspeicherung, der Standort des Anrufes jedes
Nutzers/jeder Nutzerin, unabhängig davon ob es sich dabei um den/die
Besitzer/in des Gerätes handelt, bestimmt werden, was eine völlige Anonymität
ausschließt.
Alles in allem ist das Handykartentauschprojekt also mehr ein
politisches Statement, als eine wirklich Lösung der gläsernen
Überwachungsgesellschaft zu entkommen. Dennoch ist wichtig, mit solchen
Projekten auf die Reichweite der staatlichen Kontrolle jedes/jeder Einzelnen
aufmerksam zu machen und die Frage von Sinn und Nutzen in einer breiten
Öffentlichkeit zu diskutieren, denn viele von uns sind sich über das Ausmaß
solcher Maßnahmen nicht im Klaren – schon gar nicht beim simplen Handykauf.
Was denkt ihr? Diskussion und Meinungen sind sehr erwünscht...
Quelle: die Zeit
online



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